Machsches Prinzip

© 1998 - 2009 Wolfgang Neundorf
Stand:12.04.2009

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Das so genannte Machsche Prinzip, obwohl schon “uralt”, wird sogar heute noch gelegentlich diskutiert. Ohne Erfolg allerdings. Irgendwie war man bisher nicht in der Lage, jene Überlegungen wirklich mit Leben zu erfüllen. Für Einstein jedenfalls hatten jene Gedanken einen gewissen heuristischen Wert. Doch das allgemeine Relativitätsprinzip wird dem Machschen Prinzip keineswegs gerecht.

Ernst Mach

Statt nun einen bewegten Körper auf den Raum (auf ein Koordinatensystem) zu beziehen, wollen wir direkt sein Verhalten zu den Körpern des Weltraumes betrachten, durch welches jenes Koordinatensystem allein bestimmt werden kann. (...) Die eben angestellten Betrachtungen zeigen, dass wir nicht nötig haben, das Trägheitsgesetz auf einen besonderen absoluten Raum zu beziehen. Vielmehr erkennen wir, dass sowohl jene Massen, welche nach der gewöhnlichen Ausdrucksweise Kräfte aufeinander ausüben, als auch jene, welche keine ausüben, zueinander in gleichartigen Beschleunigungsbeziehungen stehen, und zwar kann man alle Massen als untereinander in Beziehung bestehend betrachten... Wenngleich auch ich erwarte, dass astronomische Beobachtungen zunächst nur sehr unscheinbare Korrektionen notwendig machen werden, so halte ich es doch für möglich, dass der Trägheitssatz in seiner einfachen Newtonschen Form für uns Menschen nur örtliche und zeitliche Bedeutung hat. - Ernst Mach


Ernst Mach
1838-1916

 

Ernst Mach

21.08.2001

Ernst Mach - Physiker, Philosoph und Wissenschaftstheoretiker.

Wenn man sich mit Einsteins Biografie beschäftigt, und sei es auch nur oberflächlich, so stößt man unweigerlich auf einen bedeutenden österreichischen Physiker des 19. Jahrhunderts. Die Rede ist von Ernst Mach (1838-1916).

Der Physiker und Philosoph Ernst Mach befasste sich Ende des 19. Jahrhundert neben anderem auch mit der kritischen Analyse der Grundlagen der Mechanik. Eines seiner wichtigsten Werke ist Die Mechanik in ihrer Entwicklung - historisch kritisch dargestellt (erste Auflage 1883), welches eine Untersuchung des damaligen Kenntnisstandes der Mechanik beinhaltete. Mach selbst ist dem breiten Publikum heute vielleicht weniger bekannt. Möglicherweise verbindet der eine oder andere mit diesem Namen die sogenannte Machzahl, die in der Flugzeugtechnik Bedeutung erlangte. Erreicht ein Flugzeug die Schallgeschwindigkeit, so hat es Mach 1 erreicht. Mach 2 bedeutet somit doppelte Schallgeschwindigkeit.

Mach wird gern als heuristischer Wegbereiter der Allgemeinen Relativitätstheorie missverstanden; und Einstein selbst bezeichnete sich in diesem Zusammenhang als "Schüler" Machs . Auch auf erkenntnistheoretischen Gebiet hatte Mach Wesentliches geleistet und gilt als Mitbegründer oder zumindest als einflussreichster Vertreter des Empiriokritizismus, welcher von Richard Avenarius (1843-1896) gegen 1890 entwickelt wurde. Erwähnenswert vielleicht ist die Tatsache, dass einer der schärfsten Gegner Machs ein Russe war namens Wladimir Iljitsch Uljanow (1870-1924), der in seinem philosophischen Hauptwerk Materialismus und Empiriokritizismus unter anderem heftig gegen den "Machismus" polemisierte. Uljanow dürfte unter dem Pseudonym Lenin wohl bekannter sein. (Aber dies nur am Rande.)

Wie auch immer man einzelne erkenntnistheoretische Anschauungen Machs bewerten mag, so scheint es wichtig zu sein, dass er sich kritisch mit dem gegebenen Erkenntnisstand auseinander setzte und zu Schlussfolgerungen kam, die auch heute bedeutsam sein könnten. Hier ein Zitat aus seiner "Mechanik" (E. Mach, Die Mechanik in ihrer Entwicklung, Leipzig 1933, Nachdruck: Darmstadt 1991, S. 251.):

Man wird zugleich erkennen, dass für das historische Verständnis einer Wissenschaft nicht nur die Kenntnis der Gedanken wichtig ist, welche von den Nachfolgern angenommen worden sind, sondern dass mitunter auch flüchtige Erwägungen der Forscher, ja das scheinbar ganz verfehlte, sehr wichtig und belehrend sein kann. Die historische Untersuchung des Entwicklungsvorganges einer Wissenschaft ist sehr notwendig, wenn die aufgespeicherten Sätze nicht allmählich zu einem System von halbverstandenen Rezepten oder gar zu einem System von Vorurteilen werden sollen. Die historische Untersuchung fördert nicht nur das Verständnis des Vorhandenen, sondern legt auch die Möglichkeit des Neuen nahe, indem sich das Vorhandene eben teilweise als konventionell und zufällig erweist.

Mittlerweile ist mehr als ein Jahrhundert vergangen, ein Jahrhundert, in dem die Entwicklung der Physik eine unvorhersehbare Entwicklung nahm. Einen Teil dieser Entwicklung (Anfänge der Quantenphysik und der Relativitätstheorie) mochte Mach sicherlich noch verfolgt haben, konnte sich aber krankheitsbedingt nicht mehr aktiv damit beschäftigen. (Einstein selbst war enttäuscht, dass die Allgemeine Relativitätstheorie bei Mach nicht auf die von ihm erhoffte uneingeschränkt positive Resonanz stieß. Dies liegt m. E. daran, dass der Machsche Denkansatz auf einer völlig anderen Ebene angesiedelt ist, der mit den Einsteinschen Folgerungen nur oberflächlich verbunden ist.)

Es ist durchaus legitim, der Aussage "Die historische Untersuchung des Entwicklungsvorganges einer Wissenschaft ist sehr notwendig, wenn die aufgespeicherten Sätze nicht allmählich zu einem System von halbverstandenen Rezepten oder gar zu einem System von Vorurteilen werden sollen." gerade in der heutigen Zeit uneingeschränkte Gültigkeit beizumessen.

Externe Links:

Ernst Mach oder Das unrettbare Ich | Ernst Mach - Biographie | Philosophenlexikon - Ernst Mach (1838 - 1916) | Ernst Mach - Kurzbiographie | 1988 - 150. Geburtstag von Ernst Mach (Briefmarke) | Leben und Werk Ernst Mach | Empiriokritizismus | Avenarius

Vorbemerk. Beziehungen Raum Ernst Mach

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