Zwischenbilanz

© 1998 - 2009 Wolfgang Neundorf
Stand:12.04.2009

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Die Welt, die werden wir wohl nie ergründen, doch haben wir schon viel gewonnen, verstehen und respektieren wir unsere Welt.
Der Welt ist das egal; unsere Welt honoriert dies damit vielleicht, dass sie uns unter Umständen noch ein kleines Weilchen toleriert.

 

Wenngleich ich fast am Ende diese Textes angelangt bin, heißt dieses vorerst letzte Kapitel „Zwischenbilanz“. Auch da ist schon Übertreibung mit im Spiele. Dennoch haben wir vielleicht etwas erreicht. Ich versuchte, eine unvoreingenommene Analyse der Physik als die exakte Naturwissenschaft zu erstellen. Die wohl wichtigste Aussage ist die, dass selbst dieses Muster einer - angeblich - ach so exakten Naturwissenschaft von vielen willkürlichen Elementen beherrscht wird. Dies ergibt sich aus der historischen Entwicklung. Nur, welche Konsequenzen ergeben sich daraus? - Eine der Konsequenzen wäre anzunehmen, das Ziel der physikalischen Forschung, eine möglichst objektive und umfassende Kenntnis der realen Zusammenhänge der Natur zu gewinnen, sei ein illusorisches Ziel. Verschiedene philosophische Strömungen erarbeiteten genau diesen Standpunkt, der völlig unbegründet nun wirklich nicht ist. Doch auch hier ist es sinnvoll, sich den geschichtlichen Verlauf der (Natur)Philosophie und der sich von ihr abspaltenden (Natur)Wissenschaften vor Augen zu führen. In einigen Punkten ging ich auf bestimmte Zusammenhänge ein, ohne Geschichte der Wissenschaften betreiben zu wollen. Dies wäre im Rahmen dieser Ausführungen ein recht überzogener Anspruch.

Als ersten Systematiker in Dingen Wissenschaft finden wir vielleicht im Griechen Aristoteles, der das zu seiner Zeit vorhandene Wissen zusammenfasste und die Grundlage bildete für alles, was etwa die nächsten eineinhalb Jahrtausende zu gelten hatte. Sein Bestreben war es, diese Wissen aus möglichst allgemeinen Grundsätzen ableiten zu wollen. Dieser Versuch konnte aber auf dem damaligen Niveau der empirischen Kenntnisse nicht zu einem wirklichen Erfolg führen - wie wir heute einschätzen. Die römisch-katholische Kirche fand in der Philosophie des Aristoteles genügend Anknüpfungspunkte, die Divergenzen zur Heiligen Schrift so gering wie möglich zu halten (was nicht gänzlich problemlos verlief, da viele Aristotelische Aussagen den Lehrmeinungen der Kirche zuwiderlief). Wissenschaft bestand darin, zu interpretieren: die Bibel auf der einen Seite und die Schriften des besagten Philosophen auf der anderen. Die mittelalterliche Scholastik bildete den Höhepunkt jener Vorgehensweise, den Glauben durch Wissen bestätigen zu wollen, die wir heutzutage anscheinend gar nicht recht nachvollziehen können. Zwei Quellen des „Glauben-Wissens“ also gab es: Die Bibel (theologische Basis höchster Präferenz) und die Auffassungen der nunmehr klassischen griechischen Philosophie (die wissenschaftliche Basis). Da es letztere gab, hatte man nicht mehr nötig, den ursprünglichen Aristotel ischen Empirismus erneut aufzugreifen und zu vervollkommnen, da ja alles bereits getan war.

An die dritte Quelle der Erkenntnis zu denken, schien völlig außerhalb der üblichen Denkschemata zu liegen. Und dennoch gab es Männer, die sich darüber Gedanken machten, nicht nur das ererbte Wissen als Grundlage zu nehmen, sondern die Natur selbst zu „befragen“, indem sie Beobachtungen anstellten oder gar selbst Experimente ersannen, um zu Aussagen über bestimmte Dinge zu gelangen, so wie sie eben sind. Verschiedene Namen nannten wir: Descarts (in anderen Zusammenhängen) und Galileo Galilei. Letzterer schließlich gab sich nicht damit zufrieden, zu glauben, was Aristoteles behauptete, sondern begann, bestimmte Aussagen zu überprüfen, indem er beispielsweise (so jedenfalls wird es allgemein gelehrt) durch seine berühmten „Fall“-Versuche die Aristotelische These, dass unterschiedlich schwere Körper auch unterschiedlich schnell fallen, selbst zu Fall brachte. Er ließ Kugeln eine schiefe Ebene hinabrollen und maß die Zeiten, die sie für bestimmte Strecken benötigten. Derartige Versuche waren reproduzier- und damit nachvollzieh- und überprüfbar. Und genau solche Versuche zeigten die Schwachpunkte bisherigen Wissens. Man muss beobachten und messen, um etwas über die Natur aussagen zu können und nicht nur das glauben, was die anerkannten Autoritäten vor Jahrhunderten ersannen. Und wenn man dabei die schon recht entwickelte Mathematik einzusetzen in der Lage war, so hatten die Ergebnisse solchen Vorgehens sehr hohe Beweiskraft.

Den Übergang von der recht oberflächlichen Empirie und losgelösten (aber nicht immer völlig abwegigen) Spekulation zur wahrhaft experimentell-empirischen Forschung war jene Wende, welche wir die erste „wissenschaftlich-technische Revolution“ nennen könnten („technisch” auch deshalb, weil man begann, technische Hilfsmittel - z.B. das Fernrohr durch Galilei - zudem für die Zwecke der Beobachtung einzusetzen).

Wenngleich aus heutiger Sichtweise immer gern betont wird, wie schwer neues Gedankengut es hatte, sich durchzusetzen, so darf man dabei nicht übersehen, wie schnell dieser Vorgang sich objektiv in Wirklichkeit vollzog. Hundert oder zweihundert oder auch tausend Jahre sind keine historisch nennenswerten Zeitspannen. Newton wurde dreiundvierzig Jahre nach Brunos Verbrennung und ein Jahr nach Galileis Tod geboren. Und genau seine Arbeiten bestimmten - ebenfalls zum Dogma erstarrt - weitere zweihundert Jahre das physikalische Denken überhaupt, welches die Empirie zur „alleinseligmachenden“ Verfahrensweise werden ließ und sich von „metaphysischen Spekulationen“ fernhielt. Gerade die Erfolge dieser Methode ließen jegliche Kritik abprallen. Sein „hypotheses non fingo“ sollte sich darauf wohl beziehen, dass es nicht sinnvoll ist, sich mit irgendwelchen „metaphysischen Hintergründen des Seins“ und mit dem Fragen nach dem Warum zu befassen, wobei allerdings bestimmte Arbeitshypothesen, als solche aber auch deklariert, nicht nur nicht schädlich waren, sondern wichtige Voraussetzung bildeten, überhaupt voranzukommen. Denn schon das Gravitationsgesetz wies bereits in seiner ursprünglichen Fassung, die bis Einstein als unantastbare Wahrheit galt, ungeheure spekulative Elemente auf. Ein solches Gesetz kann nicht als induktive Verallgemeinerung vorhandener Tatsachen formuliert werden. Die Bedeutung der Newtonschen Theorien lagen vor allem darin, „irdische Physik“ und „Himmelsmechanik“ nicht mehr als völlig unvereinbare Gegensätze annehmen zu müssen. Newton überbrückte ein schier unüberbrückbare Kluft, die allerdings aus unserer Perspektive weniger unüberwindlich sich darbietet, als es zu seiner Zeit erscheinen musste. Die Trennung von „Himmel“ und „Erde“ schließlich ist historisch und kulturell jedoch nicht objektiv bedingt, hatte aber zur Folge, dass die Bewertung wissenschaftlicher Erkenntnisse dieser Bedingtheit folgte.

Heutzutage birgt ein Sandkorn mehr physikalische Rätsel, als der sichtbare Sternenhimmel im Sinne der (damaligen) Mechanik je verbarg. Die Bewegung der Gestirne zu erkennen, war herausragendes Wissen und Verstehen. dass in den Sternen hochkomplexe kernphysikalische Prozesse bestimmend sind und die Voraussetzung unserer Existenz bilden, blieb zu erkennen erst dem 20. Jahrhundert vorbehalten. Was bedeutet daran gemessen die Kenntnis der Planetenbahnen?! Und doch war jene Kenntnis ein gewaltiger Schritt in Richtung Wahrheit. Wie bescheiden dieser kleine Teil Wahrheit sich wahrhaft ausnimmt, sind zu beurteilen nicht einmal wir in der Lage. Doch Newton selbst ahnte wohl etwas von den Grenzen des Verstehens, wobei es im Nachhinein schwer fällt, zwischen wissenschaftlicher Einsicht und religiös gefärbter Bescheidenheit zu unterscheiden; und vielleicht ist letzteres auch gar nicht so wichtig.

Jedoch - das nannte ich die „Determiniertheit des Erkenntnisprozesses“ - bestimmte dieses äußerst kleine Mosaiksteinchen der Erkenntnis die Art und Weise, wie die weiteren Steine des empirischen Wissens ihren Platz einzunehmen hatten im Gesamtbild der Erkenntnis. Die „metaphysischen Spekulationen“ eines Giordano Bruno fügten sich nicht in das sich etablierende Bild ein; und erst sehr viel später wurde die Tragweite seiner Visionen voll begriffen (wenn überhaupt), zumal damals nicht einmal die wissenschaftlichen Größen den Gedanken Brunos zu folgen vermochten. Nicht etwa nur aus Angst vor der Inquisition, sondern aus wirklicher Überzeugung.

Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten unter den Philosophen der Neuzeit finden wir in Immanuel Kant (1724-1804), der sich kritisch mit der Erkenntnistätigkeit und -fähigkeit des Menschen auseinandersetzte. Hier jetzt detailliert auf seine wichtigsten Aussagen einzugehen, wäre übertrieben. Jedenfalls distanzierte er sich vom „plumpen Empirismus“ und versuchte, sich nicht nur mit der Wissenschaft zu befassen (Hypothesen über spezielle naturwissenschaftliche Gebiete gehörten zunächst ebenso zu seiner Arbeit), sondern im Wesentlichen damit, wie Wissenschaft überhaupt möglich ist und welche Grenzen der menschlichen Erkenntnis grundsätzlich gesetzt sind. Und auch mit jenem Widerspruch setzte er sich auseinander, dass die menschliche Vernunft bestimmten Fragen nachgeht, um zugleich zu erkennen, dass die Beantwortung dieser Fragen außerhalb deren Reichweite liegt. Nur zur Erkenntnis der Erscheinungen können wir gelangen, das „Ding an sich“ bleibt uns für immer verborgen, da wir es ausschließlich durch die Brille unserer „Anschauungs­ und Denkformen a priori“ betrachten können.

Als Philosophie erlangten die Gedanken Kants Beachtung und Bedeutung. Als Wissenschaftswissenschaft jedoch wirkten sich seine erkenntniskritischen Überlegungen überhaupt nicht aus. Mit einer solchen Auswirkung sei nicht das Übernehmen der Kantschen Anschauungen gemeint, sondern zu begreifen, dass die Ausgangspunkte und Fragen der Philosophie, auch eines Immanuel Kant (natürlich nicht nur), gerade für die Naturwissenschaft von äußerster Wichtigkeit sind - oder zumindest wären. Bewertungen von erkenntnistheoretischen Standpunkten - und das gilt allgemein - bezogen sich immer interpretativ auf ein pro und contra, nicht auf die inhaltliche Analyse der Gedanken selbst, die auch dann zu sinnvollen Einsichten führen kann, übernimmt man dieses Gedankengut nicht in seiner Gesamtheit, sondern setzt sich wirklich kritisch mit allen möglichen - so man sie überschauen kann - Gesichtspunkten auseinander.

Doch die Physik war - und ist - dermaßen auf die „empirische Schiene“ fixiert, dass erkenntnistheoretische Überlegungen allenfalls den Zweck der Interpretation des nun einmal gegebenen Erkenntnisstandes zum Ziel und lediglich der Fixierung des status quo zu dienen hatten und haben.

Das Experiment ist die oberste Instanz bei der Einschätzung von Hypothesen und Theorien. Um also überhaupt voranzukommen, müssen angemessene Experimente durchgeführt werden. „Angemessen“ heutzutage heißt, es geht um Millionen- oder gar Milliardenbeträge. Die Analyse dieser Dinge könnte recht interessant werden, zumal dem exponentiellen Wachstum der Kosten irgendwie irgendwann irgendwelche Grenzen gesetzt sind. Den Status der Grundlagenforschung eines Landes wird am Forschungsbudget gemessen. Wo viel ausgegeben wird, geht es der Forschung gut - wo wenig(er), dementsprechend schlecht(er). Was wollen wir eigentlich erreichen? - Doch „nur“ wissen, wie die Natur eigentlich - „funktioniert“. dass wir mit unserer Erkenntnistätigkeit nicht gar zu weit uns von der Realität befinden, suggerieren die Erfolge von Wissenschaft und Technik, welche man allerdings etwas distanzierter betrachten sollte. Dann nämlich könnten sie sich als weitaus bescheidener herausstellen, so bescheiden, wie sich - objektiv beurteilt - die Kenntnis der Bewegung der Himmelskörper ausnimmt, messen wir sie an den noch unbegreiflichen Bewegungsgesetze der Atome und deren Teile.

Mein Ziel war es nicht, die eine oder andere Erscheinung zu erklären, sondern aus der Analyse der Grundlage der Physik, die nach wie vor die klassische Mechanik ist, herauszufinden, welche Widersprüche in ihr von vornherein enthalten sein könnten, um daraus relevante Fragen abzuleiten. dass Widersprüche existieren, beweist die Physik in ihrer gegenwärtigen Fassung. Wo die Widersprüche ihren Ursprung haben, versuchte ich (ansatzweise) zu ergründen.

Was eigentlich sind Erfahrungstatsachen? - Die Gesetze des freien Falls mit Sicherheit. Können aber solche Kenntnisse als Ausgangsbasis für alle weiteren Überlegungen dienen? - Genau das können sie nicht! Nehmen wir solche Vorgehensweise als Modell für Wissenschaft überhaupt, so führt das zu jenen erkenntniskritischen Haltungen, die in der Vergangenheit als Bestandteile verschiedenster philosophischen Schulen Bedeutung erlangten.

Wie unter anderem auch Einstein - als Physiker - mehrfach betonte, gibt es keinen direkten Weg von der Erfahrung zur Theorie. Die „naturwissenschaftliche Wende“ zugleich war mit der Überbewertung des Empirischen verbunden. Trotzdem war gerade zu jener Zeit dieser „platte Empirismus“ durch die führenden Köpfe seiner Zeit selbst in Frage gestellt worden. Der Kopernikanische Gedanke war nicht neu und nicht aus der unmittelbaren konkreten Erfahrung geboren, sondern er befand sich - zunächst - in vollem Widerspruch zu eben jener. Nur als Denkmodell konnte man einstweilen die heliozentrische Anschauung akzeptieren. Erst die Konsequenzen dieser Denkmöglichkeit ließen indirekte Schlüsse darüber zu, wie es um die „wahre Bewegung“ der Gestirne bestellt sein könnte.

Auch Kepler ging diesen indirekten Weg. Das Faktenmateriel des Tycho Brahe in das uns bekannte System der Keplerschen Gesetze zu bringen, setzte ein gewaltiges Maß an spekulativer Vorwegnahme voraus. Und genau Kepler testete mehrere Denkmodelle, ohne vorher zu wissen, welches der Realität wirklich entsprach. Erst die Konsequenzen, die sich aus einem solchen Modell ergaben, konnten mit den Beobachtungsdaten in Einklang gebracht werden - oder auch nicht. Letzteres hatte zur Folge, ein neues Denkmodell als Grundlage zu nehmen. Dieses iterative Vorgehen ist kennzeichnend für die konkrete Problemlösung. Doch kommt man nicht umhin, dieses Vorgehen auch für den gesamten Erkenntnisprozess zu fordern und nicht nur auf einzelne Teilprozesse anzuwenden.

Allgemeine, integrierende Erfahrungen sollten über dem einzelnen Experiment stehen, welches immer einer Interpretation bedarf. Das Problem: Wie ist es möglich, ohne im Besitz allgemeiner Wahrheiten zu sein, zu den wesentlichen Erfahrungen zu gelangen, bzw. bekannte Fakten als wesentlich oder unwesentlich zu erkennen und Epiphänomene von den wichtigen Dingen zu trennen? - Auch hier hilft nur das kompromisslose iterative Vorgehen, dabei das Risiko eingehend, sich auch von liebgewordenen Vorstellungen trennen zu müssen. Wer letzteres Risiko scheut, geht das viel schwerwiegendere Risiko ein, sich von der Wahrheit immer weiter zu entfernen.

Diese Aussage betrifft die einzelne Forscherpersönlichkeit in gleichem Umfang, wie auch die institutionalisierten Strukturen der heutigen Forschung sich dieser Wahrheit unterzuordnen haben. Was die erste Seite angeht, so dürfen wir - fast ohne Übertreibung - sagen, dass eine jener herausragenden Persönlichkeiten eben jener Johannes Kepler war, der sich von Fehlschlägen nicht beirren ließ und mehrere Denkmodelle erprobte, die ihm die Mathematik zu Verfügung stellte.

dass die heutigen Institutionen der Wissenschaft, zwar ebenfalls aus Menschen konstituiert, tatsächlich nicht unbedingt und immer dem Erkenntnisfortschritt dienen, kann fast schon als bewiesen gelten. Denn auch in heutiger Zeit zählt das „scholastische Prinzip“, Glauben (ererbtes Wissen) mit neuen Informationen zur Deckung bringen zu wollen. Diesem Prinzip ordneten sich auch hervorragende Forscherpersönlichkeiten unter. Max Planck beispielsweise kann man fast als „Revolutionär wider Willen“ bezeichnen. Die Tatsachen ließen sich nicht leugnen. Die Konsequenzen dieser Fakten waren fast unannehmbar. Es geht um die „Rehabiltierung des gesunden Menschenverstandes“. Ein zu enger Bezug dieser Bezeichnung auf das, was der „Alltagsverstand“ auf Grundlage der Alltagserfahrung sich zu eigen macht, würde selbstverständlich zu Missverständnissen führen. Denn schon die Anerkennung der „wahren“ planetaren Bewegungsverhältnisse, kann als Attacke auf den gesunden Menschenverstand verstanden werden. Wir haben uns an viele dieser Dinge gewöhnt; und erst bei genauerem Nachdenken bemerken wir vielleicht das Problematische daran. Damit hat der Gewöhnungseffekt einen großen Einfluss auf das, welches unser - mehr oder weniger „gesunde“ - Menschenverstand gerade noch anzunehmen bereit ist. Wir können uns gedankenlos auch an Dinge gewöhnen, die bei einigem Nachdenken, überhaupt nicht zu akzeptieren sind. Der „Herdentrieb“ des Menschen leistet seinen eigenen Beitrag. Es ist einfacher und müheloser zu glauben, auch dann, wenn das, was zu glauben man bereit ist, einer exakten Analyse nicht wirklich standhält.

In der Wissenschaft spricht man selbstverständlich nicht vom Glauben. Dies wäre suspekt. Man spricht vom Wissen und Verstehen. Doch gerade die moderne Physik zeigt uns, dass überhaupt nichts mehr verstanden wird. Um es etwas härter - und anscheinend anmaßender - zu formulieren: Die Basis der Physik besteht einzig und allein aus mehr oder weniger bewusst zur Schau gestellten Glaubensbekenntnissen, über die nachzudenken, sich völlig erübrigt, da alles bereits getan wurde!

Wiederum stürzen wir uns in eine ausweglose Situation. Einerseits dürfen wir dem gesunden Menschenverstand einigermaßen trauen, bewegen wir uns in alltäglichen Gefilden, andererseits kann er uns, leichtfertig als absolute Richtschnur genommen, schnell in die Irre führen.

Für die Existenz der Menschen war es - einstweilen - unerheblich, ob sich die Erde um die Sonne oder die Sonne um die Erde bewegte. Wichtig war, es herrschte die Ordnung des Wechsels von Tag und Nacht (und die Jahreszeiten und Jahre usw.). In dieser Ordnung ist das Leben entstanden; und diese Ordnung bestand unabhängig davon, ob es in einem „höheren“ Stadium der biologischen Evolution einige, sich des aufrechten Ganges bemühende Lebewesen gab, die begannen, Überlegungen über diese Ordnung anzustellen.

Als „Herdentier“ bedurfte der Mensch sicherlich einiger Kommunikationsfähigkeiten, die sich als immer subtiler werdende Varianten der schon vorhandenen Verständigungsmöglichkeiten herauskristallisierten, als wir sie auf „niederer“ Stufe ebenfalls anzutreffen vermögen. Zunächst galt der „nackte Pragmatismus“ (dem sich die Wissenschaften allerdings wieder näherten). Die Beobachtung von Korrelationen zwischen den verschiedenen Naturphänomenen führte zu einem assoziativen Erfahrungswissen, welches dann erst zu einem sinnvollen - die Erhaltung der Art stützenden - Wissen wurde, musste nicht jedes Individuum alle Erfahrungen selbst erst nachvollziehen (das konnte tödlich enden). Damit war eine Stufe erreicht, auf der Informationen auf zwei Ebenen von Generation zu Generation vererbt wurden. Einmal sei die genetisch-biologische Ebene genannt, und zu anderen die individuell-soziale. Herdentiere weisen eine - überlebensnotwendige - soziale hierarchische Struktur auf. Nur indem sich das Individuum in diese Struktur einfügt, kann es überleben und indem es seinen Beitrag für das Überleben der Gruppe leistet. Rangordnungen müssen - oft im wahrsten Sinne des Wortes - ausgekämpft werden. An einen bestimmten sozialen Status in der Gruppe sind Privilegien, aber - und das ist das Ausschlaggebende  - Verantwortung geknüpft. Nur ein „Anführer“, der dieser Verantwortung gerecht wird, kann seinen Status auf Dauer beibehalten. Da ich jetzt nicht allzusehr abschweifen möchte, brechen ich diese Thema an dieser Stelle ab, da sicherlich klar ist, worauf ich hinauswill.

Körperliche Stärke ist ein Merkmal für „Herdenführer“. Dies allein ist nicht ausreichend. Je intelligenter das Verhalten eines Rudels - z.B. bei der Jagd - ist, um so größer sind auch die Chancen der Erhaltung der Population. Mit der immer subtileren werdenden Kommunikation der Herdenmitglieder untereinander nahm der Stellenwert der „Ware“ Information zu. Wer sich in allen Dingen gut auskannte und möglichst viele Erfahrungen aufzuweisen hatte, besaß die Chance, sich eine gute bis privilegierte soziale Stellung zu erarbeiten. Wissen wurde unter Umständen zu einem Machtfaktor.

Nun nähern wir uns dem eigentlichen Problem. Das, was sich in der Theorie so mühelos darstellen lässt, hält in der Praxis einige Fußangeln bereit, die darin gipfeln, dass Macht und Verantwortungsbewusstsein eben nicht immer aneinander gekoppelt sind. Und das um so mehr, als dass die sozialen Strukturen immer umfangreicher wurden, was als eine Folge der hohen Populationsdichte anzusehen ist. (Zu hohe Populationsdichten führen wahrscheinlich immer zu Instabilitäten.)

Was die ganzen Abschweifungen mit den Planetenbewegungen zu tun hat? - Ganz einfach: Es gab sicherlich eine Zeit, als das Wissen um die „wahren“ Beziehungen und Hintergründe so ziemlich gleichgültig war. Hauptsache man wusste, was geschieht. Jedoch lässt sich die Frage nach dem Wie und Warum nicht auf ewig unterdrücken. Menschen, welche sogar solche Fragen zu beantworten imstande waren, hatten gute Aussicht auf eine gute Karriere. (Deren Problem: sie durften sich nicht irren. Auch das konnte tödliche Folgen haben.) Überspringen wir einige „Kapitel“ - ich habe mich ohnehin viel zu viel mit Nebendingen befasst - und komme wieder auf den Ausgang des Spätmittelalters in Europa zurück, mit dem wir auch einen Umschwung in der astronomischen Weltauffassung verbinden können. Es gab Tag und Nacht und die Jahreszeiten. Und all diese Erscheinungen waren geknüpft an meteorologische und astronomische und biologische Erscheinungen, zwischen denen die bekannten Korrelationen bestanden. Wie bereits behauptet, war es für diese Korrelationen unerheblich, ob sich die Erde um die Sonne bewegt oder die Sonne um die Erde.

Nicht unerheblich jedoch war die Antwort auf die Frage nach der „wahren“ Bewegung für die führenden Ideologen in Europa zu jener Zeit. Irren ist menschlich. Natürlich menschlich. Gott irrt nicht, der ist unfehlbar. Diese Unfehlbarkeit färbte ab auf die Kirche als mächtige Institution, deren Wissen (hier „Glauben“ genannt) mehr oder weniger indirekt das Wissen Gottes war, und somit nicht angezweifelt werden konnte. Behauptete jemand etwas anderes als die „wahre Wahrheit“, so war klar, dass jener sich im Irrtum befinden musste. Irren ist ja menschlich. Und wenn solche Menschen sich davon überzeugen ließen, dass sie sich im Irrtum befanden, war es vielleicht nicht ganz so schlimm. Es gab aber auch solche verstockten Ketzer, bei denen alles gute Zureden nicht half. Die Flammen des Scheiterhaufens sind nichts im Vergleich zu den ewigen Flammen des Fegefeuers!

Man bekämpfte nicht nur andere Meinungen, sondern mit großer Verbissenheit jene Menschen, die Träger dieser Meinungen waren. Man „musste“ dies tun und zwar im Interesse der Stabilität der gegebenen gesellschaftlichen Strukturen, welche, durch Einzelinteressen gestützt, zu einem unveränderlichen Gefüge erstarrt waren. Nicht die Strukturen konnten sich verändern und an neue Gegebenheiten anpassen, sondern alles andere hatte sich diesen Strukturen unterzuordnen.

Das alles klingt absurd. Wo bleibt der gesunde Menschenverstand? Lässt er sich von Demagogie, Gewöhnung, Anpassung und Bequemlichkeit korrumpieren? Wo hört der Verstand auf, und was bleibt die Domäne der Moral? Sind Moral und Verstand überhaupt zu trennen?

Wo bleibt das Rationale?!

Betrachten wir die bekannte Menschheitsgeschichte, so scheint das Rationale eine nur unbedeutende Nebenrolle gespielt zu haben. Pseudo-Rationalismen konnten schon immer große Bedeutung erlangen und gewaltigen Schaden anrichten. Auch das Aberwitzigste und Irrsinnigste war immer begründbar. Hat sich daran grundsätzlich etwas geändert? - Wahrscheinlich nicht. Dies kann man pessimistisch deuten. Der Optimist argumentiert: die Menschen gibt es immer noch. (Trotz alledem?)

Bringt uns Wissen weiter? Und ist alles vermeintliche Wissen in Wahrheit nur Glauben? Wissen entartet dann zum Glauben, wird es zum „unumstößlichen Wissen“. Das kennen wir. Wo aber finden wir den Ausweg? - Wer sich dessen bewusst ist, dass er einen Ausweg finden sollte, wird ihn - vielleicht - auch finden. Und gerade dieses Bewusstmachen ist das große Problem (und das - zugegeben äußerst unbescheidene - Anliegen dieses Textes).

Wie aber finden wir zum gesunden Menschenverstand - dem eigentlich Rationalen - zurück?

Der gesunde Menschenverstand ist eine durch die Erfahrung gestützte und durch die Logik kontrollierte Intuition, verstehen wir unter „Intuition“ die komplexe - und zu großen Teilen auf unterbewusster Ebene angesiedelte - „integrale Informationsverarbeitung“.

Was durch Erfahrung „bewiesen“ wurde, kann durch Erfahrung „widerrufen“ werden. Auch die durch die Logik kontrollierte Intuition“ ist wahrhaft nicht einfach zu handhaben. Von irgendeiner Basis muss man ausgehen, obwohl man nicht wissen kann, ob eine gewählte Basis die richtige ist oder möglicherweise auch nicht. Sollte sich jene Basis eines Tages als falsch erweisen, so muss man sich von ihr trennen. Die Entscheidung darüber, ob dieser Fall eingetreten ist, bleibt immer eine verstandesmäßige Entscheidung, die nicht im Widerspruch zur Logik sich befinden darf! Und solche Entscheidungen sind nicht algorithmierbar. Betrachten wir die Antworten der Physiker auf einige vorgebliche Ungereimtheiten des Verhaltens der Objekte auf atomarer und subatomarer Ebene, so sind auch hier Entscheidungen getroffen worden, die aber nicht darin gipfelten, noch einmal von vorn zu beginnen, da man auf eine Basis „unumstößlicher Wahrheiten“ sich verlassen konnte. Eine Absage an all die liebgewonnenen Erkenntnisse wollte und konnte man nicht erteilen. Es war bequemer, anzunehmen, jene liebgewonnenen Erkenntnisse, besaßen nach wie vor einen „Gültigkeitsbereich“.

Die Trennung vom gesunden Menschenverstand fiel schwer - aber sie wurde erzwungen. Damit trennte man sich jedoch auch von einem wichtigen Korrektiv, ohne das jede - in der Theorie prinzipiell unvermeidbare - spekulative Komponente zur unkontrollierten Spekulation degenerieren musste. Die so gewaltig scheinenden Erfolge der traditionellen wissenschaftlichen Methode, sich mit reproduzierbaren quantitativen Verifikationen und Falsifikationen zu begnügen, brachte das Aus für das wahrhaft Rationale, und damit für das Denken schlechthin. Etwas vereinfacht aber eingängiger formuliert: Erst begreifen - dann berechnen! Das, was sich gegenüber der antiken (im allgemein mit Griechenland in Verbindung gebrachten) Wissenschaft als Fortschritt erwies, wurde später zum Hemmnis des Erkenntnisfortschrittes.

Ein wichtiges Thema tauchte an einigen Stellen in diesem Text auf. Vielleicht ist dabei klar geworden: Um über die Physik zu sprechen, müssen wir über das Denken uns Klarheit verschaffen. Hier kann man dieser oder auch einer ganz anderen Meinung sein. Meine Meinung: Der Verstand ist flexibel - die traditionelle Wissenschaft ist es nicht. Dies war einer der wichtigen Kritikpunkte, mit denen wir uns auseinanderzusetzen hatten. Kritik zunächst ist destruktiv. Das ist normal. Doch als konstruktives Element konnten wir das notwendige iterative Vorgehen nennen, welches diese unentbehrliche Flexibiltät realisiert. Wir müssen schon versuchen, Schein und Realität zu trennen. Dies geht nur durch Versuch und Irrtum. Jedes Festnageln bestimmter Standpunkte, lässt dem Schein die Oberhand gewinnen und behalten. dass bei einigen „Versuchen“ auch bestimmte metaphysische Motivationen eine gewichtige Rolle spielten, konnten wir am Beispiel Keplers erkennen. Dies aber waren keine Ad -hoc-Spekulationen, um bestimmte Positionen zu festigen, sondern - innerhalb der konkreten Aufgabenstellung - Ausgangsbasen, die sich als falsch oder auch als richtig erweisen konnten. Hierin unterscheiden sie sich - darauf sei in aller Deutlichkeit hingewiesen - gewaltig von den Spekulationen der modernen Physik!

Bei der Analyse der wichtigsten physikalischen Begriffe stießen wir auf die Problemstrecke der „Materialisation von Abstraktionen“. So weit bekannt, ist diese Sichtweise eines ganz bestimmten Ausschnittes aus der Vielfalt erkenntnistheoretischer Probleme zwar nicht wirklich neu, aber in der Konsequenz der Gedanken vielleicht doch. Wir versuchten, mit einigen Widersprüchen zurechtzukommen, die sich aus der Anwendung objektivierter Begriffe des Alltags ergaben. Objektivierung hieß Quantifizierung, hieß beobachten und messen. Doch gerade in dieser Verbindung stießen wir auf Probleme, die mit der positivistischen Denkweise in Zusammenhang gebracht werden konnten. Hier hatte man sich an bestimmte Dinge gewöhnt, die zwar in der Vergangenheit schon über Jahrhunderte im Blickfeld philosophischer Kritik standen aber kaum Auswirkungen im naturwissenschaftlichen Bereich zeigten.

Ich nannte Immanuel Kant. Und gerade er zeigte Möglichkeiten der Deutung des Raum- und des Zeitbegriffes. Diese Dinge seien „Anschauungsformen a priori“. Nicht der Realität seien sie entnommen, sondern unser Verstand stülpt diese Dinge der Wirklichkeit über. Dieses „a priori“ bedeutet ein vor aller individuellen Erfahrung im Denken des Menschen vorhandenes Muster, dem wir alle künftigen Erfahrungen unterzuordnen haben. Hier müssten wir zwei Dinge unterscheiden. Zum ersten können wir dieses „a priori“ im Sinne der genetisch vorgegebenen Fähigkeiten interpretieren, welche sich in einem Jahrmilliarden währenden Evolutionsprozess herausbilden konnten. Und zum anderen behauptete ich, dass der Zeitbegriff, als Abstraktion verstanden, doch irgendwie empirischer Natur ist. Dies muss kein Widerspruch sein, gehen wir davon aus, dass die Fähigkeit zur Abstraktion eben eine Fähigkeit a priori ist, ohne die wir nicht das wären, was wir sind.

Für uns jedoch war es wichtiger, den Widerspruch herauszuarbeiten, der mit der Objektivierung dieser Abstraktionen verknüpft war. Hier kam es darauf an, diese     Abstraktionen nicht als Abbild realer Objekte betrachten zu dürfen. Besonders krasse Beispiele für die materialisierten Abstraktionen (Hypostasierungen) waren eben die Zeit, der Raum und die Kraft (als kausale Ursache). Ungeachtet philosophischer Ansichten ging die Physik ihren eigenen Weg, nicht beachtend, dass grundsätzliche Überlegungen zu den wichtigsten Grundbegriffen der Physik alle Vorbedingung ist, überhaupt mit der Wissenschaft zu beginnen. dass diese Einsichten zu Galileis und Newtons Zeiten noch nicht gereift sein konnten, bedarf wohl keines Kommentars. Doch Ausgang des 19. Jahrhunderts galt es, Schwierigkeiten zu überwinden, die in einem wirklichen Neubeginn hätten münden müssen! Dieser Neubeginn blieb aus. Das Ergebnis: Alle weiterführenden Hypothesen und Theorien entfernten sich, auf das in diesen Texten ansatzweise analysierte Fundament aufbauend, immer mehr vom Denken und damit letztendlich von der Realität, indem sich die moderne Physik nur noch mit materialisierten Abstraktionen herumzuschlagen begann. Die Mathematik, ursprünglich als wichtiges Hilfsmittel angenommen, verselbständigte sich und wurde zur eigenständigen Realität. Bei der Anwendung der Mathematik fragt sich kein Physiker mehr, worauf er eigentlich dieses Hilfsmittel anzuwenden hat.

Energie (unabhängig, mit welchen Worten sie im Laufe der Zeit bezeichnet wurde), ursprünglich ein Maß der Bewegung, wird zur Masse. Selbst das Vakuum bleibt nicht mehr die abstrakte begriffliche Verkörperung des Nichts, sondern wird u.a. durch quantenmechanische Energiezustände beschrieben (auf die ich nicht näher eingegangen bin). Die Wechselwirkungen werden durch virtuelle Quanten vermittelt, wobei zunächst Quanten nichts anderes waren als diskrete Energiezustände irgendwelcher Oszillatoren. Virtuelle Quanten werden dann zum Leben erweckt, führen wir ihnen Energie zu, die ja nichts anderes ist als Materie, nur in anderer Form.

Untersuchen wir zu allem Überfluss den Urknall-Mythos, so können wir schon zu dem Schluss gelangen: Die Dämonen und Götter haben uns wieder und - deren „Priester“ wahrscheinlich auch. Es sollte doch wichtige Aufgabe der Wissenschaften sein, für die uns gegebene Welt rationale Erklärungen zu finden. Der aktuelle Stand der Physik lässt bei unvoreingenommener Sichtung nur zwei Schlüsse zu: Entweder ist nun endgültig erwiesen, dass sich die Natur dem rationalen Erfassen grundsätzlich entzieht (keine Hürde für den Pragmatiker, für den eine „qalitative Erkenntnis“ gegenstandslos ist), oder dass lediglich der historisch gegebene Weg der Entwicklung der Physik als ein Irrweg sich erweist. Gehen wir dieses Problem optimistisch an, so bleibt uns nur die letzte Variante. Die Physik tendiert zur ersten Möglichkeit, was zur Folge hatte, dass die Hypothesen immer märchenhafter wurden, und dass die Einstellung der Physiker zu ihren eigenen Kreationen immer unkritischer zu werden begann. Und das Ideal der Naturforschung - die Beschäftigung mit dem, was objektiv real existiert - wurde zugunsten einer durch nichts und niemanden mehr Einhalt gebotenen ungezügelten Spekulation schon lange aufgegeben.

Irgendeine ganz banale Geschichte (in Physik - was ist das?) beschäftigte sich mit der wissenschaftlich völlig unsinnigen Wünschelrute. Mit solch abstrusen Angelegenheiten befasst sich kein seriöser Wissenschaftler. Da gibt es doch viel naheliegendere und einleuchtendere und wahrhaft seriöse Dinge! So weiß man - bei aller gebotenen Bescheidenheit natürlich - mit ziemlicher Sicherheit, wie das Universum entstanden sein muss und wann das ungefähr war! Eines baute auf dem anderen auf. Nie wurden grundlegende Erkenntnisse in Frage gestellt. Und so wandelte die Physik sich, ganz allmählich, fast unbemerkt, von der Wissenschaft zur Mythologie. Und die Phantasiesprünge waren, als einzelne Schritte betrachtet, nie so gewaltig, dass sie nicht von den Epigonen der Revolutionäre brav nachgesprungen wurden. Und von den Epigonen der Epigonen auch. Diesen evolutionären Prozess kann man nennen: Historische Determiniertheit des Erkenntnisprozesses. Diese Aussagen konnten wir dahingehend ergänzen, dass Theorien sich immer aus zwei Komponenten zusammensetzten: das überlieferte Wissen auf der einen Seite und auf der anderen Seite die empirischen Befunde der immer ausgefeilteren - und teureren - Beobachtungs- und Experimentiertätigkeit.

 Wie lautet doch der Titel dieser Web-Seiten?

Die Physik in der Sackgasse?

Ersetzen wir das Fragezeichen doch ganz ungeniert durch ein Ausrufezeichen. Und dabei haben wir jetzt noch nicht einmal berücksichtigt, dass alle wichtigen Begriffe der Newtonschen Mechanik aus Zirkeldefinitionen hervorgingen.

Das Beunruhigende an der ganzen Angelegenheit sind nicht die Irrtümer; aus Fehlern kann - und muss - man lernen. Das geradezu Beängstigende ist die Macht der Autorität, die stärker ist als eigenes Denken, mächtiger ist als Logik und Ratio.

Das Beunruhigende an der Angelegenheit ist die Tatsache, dass - gerade in der fundamentalsten Wissenschaft - der Grundstein gelegt wird für das Irrationale. Ein Kampf gegen „Irrationalismen der anderen Art“ von einem so wackeligen Standpunkt aus muss grundsätzlich zum Scheitern verurteilt sein. Das Aufklärerische Wirken der Wissenschaften gibt es längst nicht mehr. Wer an die Wissenschaften glaubt, der glaubt daran, und wer nicht, der lässt es eben bleiben. Die Wissenschaft - leider - ist zur Glaubenssache missraten, weil sie schon lange nicht mehr nachvollziehbar ist.

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